| Annette Cremer | |
| Arbeitstitel | - Mon Plaisir - Das ideale Leben der Auguste Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt. Die Puppenstadt im Spannungsfeld zwischen weiblicher Selbstdarstellung und Kunstkammerstück. |
| Schlagwörter | Höfische Repräsentation; Kunstkammer; Memoria; Rollenmodell; Puppenhaus |
| Projektskizze |
Der Arnstädter Kunstschmied J.G.Bachstein berichtet 1765 von Schloss Augustenburg und schreibt, er habe dort ein Kabinet gesehen, welches aus 14 mit Glasthüren verwahrten Schränken bestand worinne die vornehmsten Merkwürdigkeiten u. Auftritte des menschlichen lebens, in kleinen und in migniatur vorgestellt werden. Dieses Cabinett war in hiesigen Gegenden damalen unter den Namen des Mon Plaisir bekannt (...). Die Puppenstadt der Auguste Dorothea zu Schwarzburg-Arnstadt in Thüringen, die in den ersten fünfzig Jahren des 18. Jahrhunderts entstand, stellt ein Unikat dar. In 80 Schaukästen unterschiedlicher Form präsentieren 400 Puppen das profane und religiöse Leben von Adel und Bürgertum eines kleinen Mitteldeutschen Fürstentums. In meinem Dissertationsprojekt möchte ich die Motivation und die Bedingungen, die zur Entstehung des Werks führten untersuchen, die Implikationen, die Geschlecht, Stand und Religion auf die Ausgestaltung der Puppenstadt ausüben, reflektieren und die Gattung Puppenhaus als Kunstkammerstück betrachten. Die Arbeit steht im Gesamtkontext der Erforschung des weiblichen Selbstverständnisses in der Spätphase der frühen Neuzeit. Ziel der Arbeit ist es, den präjudizierten Konflikt der Fürstin zwischen Rolle und Individuum, zwischen höfischer Repräsentation und bürgerlicher Subjektivität, zu erforschen und im Werk nachzuweisen. Der bisherige und dominate Ansatz in der Forschungsliteratur zu Puppenhäusern im allgemeinen, lässt sich mit Leonie von Wilkens zusammenfassen: Puppenhäuser sind ein Spiegel der Wirklichkeit, sie sind kein Spielzeug, sondern die ins Kleinformat umgesetzte Ausgabe von etwas Bestehendem. Das bislang auch in der Literatur zur Puppenstadt prädominante positivistisch-dokumentarische Verständnis von Mon Plaisir als Abbild seiner Zeit ist eine Grundannahme meiner Arbeit, der Überprüfung des Dargestellten auf den Grad an Realismus werde ich allerdings nur exemplarisch nachgehen. Die Ausgangshypothesen sind: 1. Die Auftraggeberin sublimiert die eigene Biographie im Werk 2. Zwischen Rollenerfüllung und Rollenüberwindung; Das Werk steht im Spannungsfeld zwischen traditioneller höfischer Selbstinszenierung und persönlichem Schicksal 3. Das Werk zeigt Berührungsflächen zwischen (Groß-)Bürgertum und Landadel 4. Sowohl der Konfessionswechsel als auch das Bildungwollen sind im Werk sichtbar 5. Auguste Dorothea ist nicht nur Auftraggeberin, sondern auch Künstlerin 7. Mon Plaisir ist Medium einer weiblichen Memoria Mein Dissertationsprojekt geht einen neuen Weg in der Bearbeitung eines Werkbeispiels aus dem Bereich der angewandten Kunst. Es bewegt sich zwischen Kunsthandwerk (Puppenhaus), Hof- und Repräsentationskultur (Kunstkammerstück) und Selbstdarstellung (Portrait und Genre). Die Zusammenführung der oben genannten Momente im Werk, der Blick über den Tellerrand der Kunstgeschichte und ihrer Methoden hinaus, der pluralistische Zugang erst wird die Erschließung des Werks Mon Plaisir und seiner unterliegenden Motivationen ermöglichen. |
| Fach | Kunstgeschichte |
| Fachbereich | 09 |
| Betreuer |
Prof. Dr. Silke Tammen, JLU Giessen Prof. Dr. Katharina Krause, Philipps-Universität Marburg |
| Kurzbiographie |
geb. 1971, drei Kinder (94, 99, 05) Auslandsaufenthalt 1991-92 Schottland Studium der Anglistik und Kunstgeschichte ab SS 1992: Johannes-Gutenberg-Universität Mainz; University College Cork/ Irland; Philipps-Universität Marburg; Magister Artium Kunstgeschichte und Anglistik Dezember 2003 Examensarbeit: Die Kasseler Cleopatra und Marc-Anton Tapisserien aus der Werkstatt des Everard Leynier Mitglied im GCSC der JLU Giessen (Graduate Centre for the Study of Culture) seit Oktober 07 Wissenschaftliche Hilfskraft bei der Frauenbeauftragten Universität Marburg seit Juni 2007 Sommerschulen: University of Cambridge/England; "Light and Space in Art Juli 2002 Philipps-Universität Marburg; Promotionskolleg; Liminaler Ereignisraum in der Frühen Neuzeit August 2007 Soziales und politisches Engagement: Schülersprecherin Maria-Ward-Gymnasium Landau 1987-89 wiederholte Teilnahme an FES- Seminaren zur politischen Bildung Seminarleitung im Jugend- Bildungsprogramm der Evangelischen Kirche Kaiserslautern (Bildungsfahrt Rom, Informationsseminare zu Atomenergie, Rassismus und Diskriminierung) Stellv. Landesschülersprecherin Rheinland-Pfalz 1989-90 Landesvorstandsmitglied Deutsche Jungdemokraten Rheinlandpfalz 1990-91
Berufliche Tätigkeiten außeruniversitär: Altenpflege (Mobiler sozialer Hilfsdienst) 1989-1994 Geschäftsführung im Einzelhandel; Naturtextilien 1996-1998 Team-Projektleitung Ausbildungsprojekt/Re-Integrationsmaßnahme Russlanddeutscher Frauen bei Arbeit & Bildung e.V. Marburg; Konzept, Umsetzung, Vermarktung und Verkauf von ökologischer Kinderbekleidung 1998-2000 Denkmalgerechte Sanierung eines hessischen Hofguts aus dem 18. Jahrhundert; Bauleitung 2003-2006 Auftrittsmanagement bei Theater Gegenstand Marburg; Kinderverkehrstheater Immer dem Schnabel nach 2003-2007
Berufliche Tätigkeiten an der Universität: Studentische Hilfstätigkeit am Germanistischen Institut 2000-2001 Studentische Hilfstätigkeit im kunsthistorischen Institut Marburg 2001- 2002
Praktika Verwaltung hessischer Schlösser und Gärten Feb. 2002 Landesamt für Denkmalpflege Hessen Okt-Dez. 2004 Landesmuseum Kassel, Abteilung angewandte Kunst Okt-Dez. 2006 |


